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Unser Reiseblog. Unterwegs ist da, wo wir sind.

Jan: Fünf Kartons, drei Kisten

Noch drei Wochen, bis die erste Fuhre Kisten eingelagert wird, noch sechs bis zum endgültigen Auszug. Inzwischen läuft die Zeit, das merkt und sieht man. In der Wohnung stapeln sich Kartons, fast alle Schränke und Schubladen sind mittlerweile ausgeräumt und die Kleidung hat sich auf das Wichtigste reduziert. Gemütlich ist hier nichts mehr – und der Punkt ist längst gekommen, an dem ich mich mehr darauf freue, endlich unterwegs, als noch länger hier zu sein. Gerade jetzt an den Feiertagen spürt man das. Wenn einem Freunde Bilder ausgelassener Gemütlichkeit schicken – und man selbst versucht, mit Sitzsack unterm Hintern und Aperol in der Hand, das bereits abgebaute Sofa neben sich, das Gefühl wenigstens ein bisschen zu reproduzieren.

Eigentlich kann ich es kaum erwarten, dass es losgeht. Nicht, weil ich unbedingt aus der Stadt weg möchte, sondern weil ich mich so sehr auf das freue, was jetzt kommt. Unterwegs zu sein, sich mit wenig zu begnügen, sich auf vieles konzentrieren zu können. Denn es tut so gut, die ganzen Dinge, Kleidung und Sachen einfach in Kisten zu packen. Jetzt, wo alles nach und nach verschwindet, merke ich, wie befreiend das ist. Und auch wenn die Reise gerade erst beginnt – für mich steht jetzt schon fest, dass ich weniger haben möchte. Weniger von allem, jetzt und in Zukunft. Es ist Wahnsinn, was sich alles anhäuft, was man alles meint, zu brauchen und was man dann doch nie benutzt.

Wie sich das Weniger konkret und dauerhaft anfühlt, werden wir schon bald wissen. Heute haben wir zur Probe gepackt. Fünf Kartons und drei Kisten. Plus zwei Rucksäcke und eine Kühltasche. Das ist ungefähr das, was wir mit unserem Kombi („Fabian“ getauft, auch wenn das außer mir kaum jemand gut, geschweige denn lustig findet) transportieren können. Das sind dann: Kleidung für Sommer und Winter, Sportkleidung und Equipment, Rennradsachen, Wandersachen, Essen, Getränke, Arbeitsmaterialien, ein paar Spiele, Putzzeug, Waschmittel und noch Kleinigkeiten, wie Taschentücher und eine Musikbox. Für die gute Laune. Mit dem kühlen Glas Chardonnay auf der Veranda, irgendwann im Juli an der Mecklenburgischen Seenplatte. Während die Sonne langsam am Horizont versinkt, die Hitze des Tages allmählich abklingt und ein leichter Wind aufkommt, der den feinen Schweißfilm auf der Haut trocknet. Eiswürfel klingen im Glas, auch wenn man das als Weinenthusiast natürlich nie, nie machen soll. Aber uns ist das egal, denn hier sieht uns sowieso niemand und wir machen was uns gefällt und nicht, was richtig ist. So jedenfalls stelle ich mir das vor – und solange ich nicht das Gegenteil erlebe, glaube ich fest dran. In diesem Sinne packe ich jetzt weiter. Denn ich will endlich, endlich fertig werden.

17. April 2022

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